30 Jahre Treasury: Highlights und Tiefschläge

Was Treasury bewegte

Während auf den Finanzmärkten das Pendel zwischen ruhigen und stürmischen Phasen ausschlug, musste der Corporate Treasurer mit ruhiger Hand die finanziellen Rahmenbedingungen
des Unternehmens gestalten: Im Unternehmen selbst galt es, Technik und Organisation auf den neuesten Stand zu bringen, außerhalb der Unternehmen sorgten Finanzkrisen und Regularien dafür, dass Treasury in drei Jahrzehnten komplett neu definiert wurde.

      • Mutter aller Treasury-Tools
        1987 wurde die erste Version von MS Excel ausgeliefert, der Beginn einer bis heute dauernden Freundschaft zwischen dem Kalkulationsprogramm und Treasury-Abteilungen. Wenn auch keiner ungetrübten, und das liegt in der Natur von Excel: Weil es keine Datensicherheit bietet und unvorsichtige Nutzer mühsam programmierte VBA-Makros zerschießen können, wird es zunehmend von Treasury-Management-Systemen (TMS) abgelöst.

     

      • Papierloses Bankgeschäfte
        Electronic Banking machte früher mal lustige Geräusche: Düdldüdldüü war zu hören, wenn die Verbindung zur Bank via Telefonleitung aufgebaut wurde. In Deutschland einigten sich die Banken schon Ende der Achtziger auf einen einheitlichen Standard zum Datenaustausch, Österreich zog erst Jahre später nach.

     

      • IT-Systeme fürs Treasury
        Von der schlichten Bankenanbindung zur automatischen Datenverarbeitung im eigenen Unternehmen: Schritt für Schritt wurden die Arbeitsprozesse im Treasury digitalisiert. Als Schwabe, Ley & Greiner 1988 zum ersten Mal das Finanzsymposium ausrichtete, war die gerade beginnende Automatisierung im Treasury der Aufhänger der Veranstaltung: „Computertechnik und Telekommunikation in der Arbeitswelt des Finanz-Managers“ lautete das Motto. Das Treasury hat bereits 30 Jahre Digitalisierung hinter sich. Entsprechend irritiert reagieren Treasurer wenn aktuell von einer plötzlichen digitalen Disruption gesprochen wird.

     

      • Treasurer, berichte
        Vor 30 Jahren schien es niemand zu interessieren, was die Treasury-Abteilung zu berichten hatte – es gab nämlich kaum Berichtsanforderungen. Das hat sich massiv geändert, IFRS (seit 2001), MiFID (2007), EMIR (2012) und KYC (2017) sei Dank. Mit den Anforderungen an die Berichte stieg auch der Anspruch an die IT-Unterstützung, um aus einer Flut von Excel-Sheets ein konzernweit integriertes Berichtswesen zu formen. Damit mussten auch die Systemanbieter aufrüsten, sodass heute die meisten Software-Häuser über entsprechende Anwendungen verfügen.

     

      • Die Entfessler
        Seit Mitte der achtziger Jahre liberalisierten Ronald Reagan und Margaret Thatcher die Finanzmärkte, entzogen sie der staatlichen Aufsicht und ermöglichten neue riskante Finanzprodukte. Spekulative Finanzinstrumente wie Derivate wurden später von Mathematikern in einer Weise weiterentwickelt, die außer ihnen niemand verstand. Spätestens seit der Finanzkrise 2008 gilt in Treasury-Kreisen: Wir legen uns nur jene Dinge ins Depot, die wir von Anfang bis Ende verstehen.

     

      • Mauer fällt, Zins schnellt
        Nach der deutschen Wiedervereinigung 1989 folgte die Währungsunion, D-Mark wurde gegen Ost-Mark eingetauscht. Die Bundesbank erhöhte den Zinssatz, um einer drohenden Inflation und Wirtschaftsüberhitzung entgegenzusteuern. Das Ergebnis war eine inverse Zinskurve, wodurch sich kurzfristige Liquidität verteuerte. So manche Kreditabteilung von Unternehmen musste daraufhin die Zinsbindung ihrer Finanzierungen überdenken. Corporate Asset-Liability-Management war geboren.

     

      • Euro, Öhröh, E-urrro
        Anfang des Jahrtausends ging es in den Treasurys besonders emsig zu. Es galt, die Finanz- und Buchhaltungssysteme für den D-Day 1.1.2002 Euro-fit zu machen. Kaum zehn Jahre nach der Einführung stellte der Euro ein mächtiges Risiko für Treasury-Abteilungen dar; über Jahre hinweg war das Auseinanderbrechen des Währungsraums ein reelles Szenario: Wer wickelt den Zahlungsverkehr ab, wer versorgt die Unternehmen mit Liquidität, welche Banken überleben? 2015 realisierte sich auch eines der Szenarien, als die Schweizer Notenbank, bedrängt durch die Flucht in den Franken, diesen um mehr als 20 Prozent aufwertete.

     

      • Schicksalsjahr 2008
        Gelernte Treasurer wussten es schon im Herbst 2007, als die Margen auf den Interbankenzinssatz in ungewöhnliche Höhen schnellten. Ein Jahr später fiel Lehman. Nun zeigte sich, welches Treasury solide aufgestellt war. Auf Liquidität zugreifen können und über ausreichende Reserven verfügen war alles. Nach Jahren des billigen Geldes musste in der Kreditklemme der Kapitalmarkt angezapft werden. Nicht in jedem Unternehmen war das entsprechende Know-how vorhanden. „Nach Lehman“ ist im Treasury der Überbegriff für Liquiditätsvorsorge, Kontrahentenrisiko-Management und konservative Finanzierung (um nur einige zu nennen).

     

      • Single Euro Payments Area
        Nach einiger Verzögerung ist im August 2014 die Sepa-Umstellung über die Bühne gegangen. Ein ganz zentraler Schritt auf dem Weg zu einem einheitlichen europäischen  Zahlungsverkehrsraum. Ganz so einheitlich war dieser Raum dann leider doch nicht. Vor allem nationale und bankspezifischen Unterschiede in den Formaten machten den Treasury-Abteilungen das Leben schwer. Bei allen Schwierigkeiten muss man dennoch sagen, dass Sepa als wesentlicher Katalysator für den Zahlungsverkehr gewirkt hat – siehe etwa Global XML-Format oder Instant Payments – und sicherlich auch in nächster Zukunft noch wirken wird. Beim Verhältnis Kosten zu Nutzen scheiden sich die Geister. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass die Umstellung der europäischen Kreditwirtschaft rund zehn Milliarden Euro gekostet hat.

     

      • Zinsen gingen in den Keller – und dort blieben sie auch
        Als in den USA 2007/08 der Markt für Subprime Kredite zusammenbrach, folgte ein jahrelanges, globales Wirtschaftstief. In die Tiefe ging es in diesem Zusammenhang auch mit den Zinsen; soweit, dass sich diverse Leitsätze die Null von unten ansehen konnten. Auf eine Normalisierung warten wir bis heute, denn trotz Aufschwung blieb der Inflationsdruck aus. Treasurer kamen somit bei der Geldanlage unter Druck, weil positive Renditen zu erzielen eine echte Herausforderung wurde. In der Folge wurden die Rahmenbedingungen von Anlagerichtlinien hinterfragt, etwa im Bereich der erforderlichen Bonitäten, Laufzeiten oder möglicher Assetklassen. Und wie sieht die Zinsprognose aktuell aus? Eher nicht so rosig. Die Konjunkturdynamik nimmt wieder ab, die Inflation bleibt unter dem EZB-Zielniveau. Die Zinswende bleibt eine Hoffnung am weit entfernten Horizont.

     

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