„Auf die Risikohorizonte kommt es an“

Interview mit Frank Gneiting, Leiter Treasury der TTS Gruppe

Bei einem Exportanteil von 80 Prozent macht der Werkzeughersteller Festool GmbH aus Wendlingen bei Stuttgart, ein Tochterunternehmen der TTS Gruppe, 40 Prozent seiner Umsätze in Fremdwährung. Wie schlägt sich das in der Sicherungsstrategie nieder? TreasuryLog im Interview mit Frank Gneiting, Leiter Treasury der TTS Gruppe..

TreasuryLog: Festool ist ein internationales Unternehmen, das qualitativ hochwertige Elektrowerkzeuge herstelt. In welchen Ländern vertreiben Sie Ihre Produkte und in welchen Ländern produzieren Sie diese?

Frank Gneiting: Wir haben in über 30 Ländern Niederlassungen und in vielen weiteren Kooperationen mit Importeuren. Unser Exportanteil liegt bei etwa 80 Prozent, wovon rund die Hälte in Fremdwährung verkauft wird. Damit sind etwa 40 Prozent unserer Umsätze in Fremdwährung. Die Produktion erfolgt zu gut 80 Prozent  in unseren Werken in Deutschland und zu knapp 20 Prozent in unserem Werk in Tschechien.

TreasuryLog: Das heißt wohl, dass Sie ein nicht unwesentliches Währungsrisiko haben. Welche Währungen  sind die Haupttreiber?

Gneiting: Die größte Position ist der US-Dollar, gefolgt vom britischen Pfund und Schweizer Franken. Diese Währungen sichern wir auch, und zwar für einen Risikohorizont von bis zu 18 Monaten. Weitere Währungen, die wir im Blick haben, sind chinesischer Renminbi, polnischer Zloty und schwedische Krone. Aktuell haben wir bei diesen Währungen keine Sicherungen im Bestand, sind jedoch bei Bedarf bereit, Sicherungen abzuschließen.

TreasuryLog: Gibt es Preislisten mit einer gewissen Gültigkeit bzw. wann passen Sie Preise an?

Gneiting: Ja, es gibt Preislisten. Wir passen die Preise bzw. die Preislisten einmal im Jahr in Euro und Fremdwährung an, mit Ausnahme bei stark volatilen Währungen, wie beispielsweise dem russischen Rubel. Da passen wir nach Bedarf an. Man muss aber eines bedenken: In Ländern, in denen wir nicht selbst vertreten sind, also in sogenannten Exportmärkten gegenüber Fremden, beispielsweise der Türkei, haben wir kein direktes – ich sage bewusst direktes – Kursrisiko, weil wir in Euro fakturieren. Es sind keine großen Volumina, aber solche Märkte gibt es auch.

TreasuryLog: Sie haben in Ihrem Fremdwährungsportfolio Währungen, die Sie sichern und Währungen, die Sie nicht sichern. Solche Entscheidungen setzen voraus, dass Sie das Risiko kennen. Wie messen Sie das Risiko und welche Daten nehmen Sie dafür?

Gneiting: Derzeit machen wir es so: Wir nehmen die Planumsätze, die Plankurse (das sind durchschnittliche Terminkurse des Folgejahres) und das Sicherungsvolumen. Mit diesen Daten führen wir in Excel eine Simulationsanalyse durch nach dem Motto „Was wäre, wenn“. Dazu nehmen wir beispielsweise eine Kursveränderung von +/- 10 Prozent an. Dann sehen wir, was wir für ein Risiko haben bzw. im Bereich der Sicherung, auf wieviel Chance durch Kursgewinne wir mit einer Sicherung verzichten würden.

TreasuryLog: Und wie entscheiden Sie, ob Sie eine Währung sichern oder nicht und in welchem Ausmaß?

Gneiting: Wir nehmen unsere Simulationsanalyse und entscheiden, ob uns das Risiko zu hoch ist. Wenn das der Fall ist, sichern wir eine Währung zum Teil. Wir nützen aber auch einen im Vergleich zum Plan günstigen Kurs. Wenn also der US-Dollar wesentlich besser ist als der Budgetkurs, schließen wir FX-Geschäfte ab, um dieses Kursniveau abzusichern.

TreasuryLog: Wenn Sie in Ländern wie Russland die Preise nicht nur jährlich, sondern öfter anpassen, wie berücksichtigen Sie das bzw. wie würden Sie das in der Sicherung berücksichtigen?

Gneiting: Diese Währungen sichern wir nicht, weil wir die Preise ja anpassen können. Wir schauen uns also sehr wohl die Risikohorizonte an. Für zwölf Monate würden wir diese Währungen
schon gar nicht sichern, das wäre ja kontraproduktiv. Hier gilt der simple Hausverstand, dass wir unsere Märkte auch im Treasury kennen müssen, damit wir nicht falsch und zu langfristig, also über den Risikohorizont hinaus, sichern. Sicherlich muss man bei dieser Vorgehensweise auch beachten, wie die Konkurrenzsituation sich darstellt. Diese beschriebene Vorgehensweise ist natürlich nur sinnvoll, wenn die Mitanbieter den Markt ebenfalls nur als Absatzmarkt nutzen. Wären Mitanbieter auch als Produzent in dem Land aktiv, würde sich die Situation anders darstellen, da ein „Natural Hedge“ für die Produzenten darstellbar ist und somit Kursschwankungen ausgeglichen werden – in beide Richtungen.

TreasuryLog: Sie haben erzählt, wie Sie sichern. Haben Sie gewisse Regeln, die Sie dabei einhalten müssen oder sind Sie komplett frei, was Sie wann und wie sichern?

Gneiting: Wir haben eine klare Risiko-ManagementRichtlinie, in der steht, was zu tun ist. Diese haben wir gemeinsam mit Schwabe, Ley & Greiner erstellt. Sie gibt vor, über welchen Zeithorizont zu sichern ist, welche Geschäft e erlaubt sind oder dass wir nur für Grundgeschäft e Derivate abschließen dürfen. Auch welche Währungen und Volumina, also zu welchen Quoten gesichert werden darf, ist dort geregelt.

TreasuryLog: Sie haben gesagt, Sie verwenden – anders ausgedrückt – eine Sensitivitätsanalyse in Excel, um das Risiko zu rechnen. Soll es dabei bleiben oder haben Sie vor, die Berechnung künft ig mit einem Treasury-Management-System vorzunehmen?

Gneiting: Wir haben tatsächlich vor, dieselbe Berechnung mit Systemunterstützung durchzuführen.
Wir haben vor kurzem SAP TRM auf S/4HANA dafür ausgewählt. Damit ist die Risikoberechnung automatisiert und wir benötigen Excel dafür nicht
mehr.

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